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Impressionen einer Reise ins Banat - Sommer 2012

17.06.2012 - Freiburg / Banat, Rumänien

Einer Ausschreibung der Landsmannschaft der Banater Schwaben gefolgt, habe ich eine Reise, mit meiner Frau Herta, Anfang August 2012 ins Banat unternommen. Es war kein Erholungsurlaub, aber es hat sich gelohnt, war interessant und abwechslungsreich. Der Weg ins Banat, welchen man früher oft in 24 Stunden mit dem Auto bewältigen musste, kann man heute schon von Freiburg in 12-14 Stunden bezwingen. Es könnte noch schneller gehen, würde da nicht die Autobahn an der ungarischen Grenze nach Rumänien enden. Aus Geldmangel, oder besser gesagt aus Mangel von EU Geldern, konnte nicht weiter gebaut werden.

So erreichten wir Temeswar, über Großsanktnikolaus, unter recht guten Straßenbedingungen, begleitet von Bergen von Melonen. Wir wurden von Temeswar bei Temperaturen von 40° und mehr empfangen. Diese Hitze begleitete uns über unseren ganzen Aufenthalt und man sah es den Pflanzen auf den Feldern, an wie sie unter dieser Hitze litten. Es blieb nicht viel Zeit, sich in Temeswar auszuruhen, denn am 2 August ging es nach Radna zu einer großen Wallfahrt. Bei der Firma Plettl (ein Landsmann) in Lipova wurden wir mit dem Bus zum Wallfahrtsort gebracht. Mehr als 100 Pilger machten sich dann stundenlang auf den Weg nach Radna. Es ging bei 40° über Berg und Tal, mit vielen kirchlichen Utensilien, getragen von einer Gruppe Jugendlicher, die bei diesen Temperaturen uns auch noch mit schönen Marialiedern begleiteten. In unserer Heimat eine Wallfahrt unter diesen Bedingungen zu unternehmen, wäre unvorstellbar.

Ich erinnerte mich an meine Kindheit, als ich meine Mutter, zu Fuß, bei der Wahlfahrt nach Radna begleiten durfte und wir froh waren, wenn unter einem großen Baum in Blumental, Aliosch oder Neudorf, Rast gemacht wurde. Übernachtet haben wir bei der Wes Anni (Andree), dann ging es den nächsten Tag zur Kirche, Kreuzweggang, Gottesdienst, paar Stunden Aufenthalt und am Nachmittag dann wieder zurück nach Bentschek. Viele leisteten sich die Rückfahrt mit dem Zug bis zur Halta Bencec.
Aber zurück zu unserer diesjährigen Wahlfahrt nach Radna. Nach dem mehrstündigen Fußmarsch kamen wir in Radna an der Kirche an. Hier wurden wir von einer Gruppe Priestern, mehr als 500 Gläubigen und den Eisenbahner Musikanten empfangen. Die Radnaer Kirche ist in keinem guten Zustand, aber es wurde in der Messe vom Bischof versprochen, dass noch in diesem Herbst die große Kirchenreparatur beginnen wird. Nach dem Kreuzweggang und überfülltem Gottesdienst mit Bischof Martin Roos, ging es nach Lipova zu einem Gemeinschaftsessen.



Die Heimreise ging über Romanbentschek nach Deutschbentschek. In Romanbentschek machten wir einen kurzen Halt in einem Geschäft/Wirtschaft, Eigentümer Litoiu Nicu (der Sohn vom Schafhirten Litoiu), welcher sehnsüchtig nach Kundschaft Ausschau hielt. Er beklagte sich, dass die Leute nichts einkaufen, da kein Geld vorhanden. Einige Einwohner arbeiten in der Stadt und der Rest der Leute bewirtschaftet nicht mal ihr Hausgarten. Und wieder erinnerte ich mich an meine Kindheit, als ich mit meiner Mutter nach Romanbentschek ging, um den Garten dieser Leute zu bewirtschaften. Diese saßen schön im Schatten unter dem großen Maulbeerbaum.

Über die gute Asphaltstraße fuhren wir weiter nach Bentschek und wurden, wie immer, herzlich von Mari im ehemaligen Pfarrhaus empfangen. Bei gutem Brinza, Schnaps und Wein wurden bis Mitternacht Erinnerungen wach und viel erzählt. Der Zustand der Kirche ist nicht der Allerbeste. Mit minimalen Mitteln von der Gemeinde, wurde die Kirche im Inneren gestrichen. Die Gemeinde hat auch, nach der Umzäunung der Kirche, vor der Kirche gepflastert und schöne Wege angelegt. Mit ein bisschen Initiative und Arbeit könnte da ein schöner Park angelegt werden. Aber wer soll es machen, die Diözese weint, sie haben kein Geld und der Pfarrer scheint auch interessenlos zu sein. Im Friedhof sieht es nicht schlecht aus. Der Betreuer macht auch, um das wenige Geld, das er bekommt, sein Bestes. Auf der rechten Seite wird der hintere Viertel von der Gemeinde der Freien Christen (Penticostali) überlassen, die ja in der Hauptgasse auch eine Kirche haben(Hausnr.135 Agnes/Andor). Ansonsten sieht man immer wieder neue Häuser, aber auch solche, die in einem schlechten Zustand sind. Ich habe den Eindruck, dass es den Leuten in Bentschek besser geht, als in anderen Banater Gemeinden.



Auf Einladung des Deutschen Forums Hatzfeld verbrachten wir einen schönen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen in der Gartenanlage des Forums. Hatzfeld hatte 10000 deutsche Einwohner, davon sind noch 500 übrig geblieben. Man sieht aber die Spuren der Banater Schwaben in der Stadt, denn hier wohnten der Maler Stefan Jäger und der Heimatdichter der Banater Schwaben, Peter Jung. Die HOG Hatzfeld, durch den unermüdlichen Einsatz von Ihrem Vorsitzenden Sepp Koch, hat auch ein Büste des Heimatdichters aufstellen lassen. Am Abend ging es gleich weiter nach Großsanktnikolaus, den hier war ich 3 Jahre im Internat während meiner Ausbildung zum Veterinärtechniker. Großsanktnikolaus kann sich rühmen, einmal die sauberste Stadt Rumäniens gewesen zu sein. Auch heute macht die Stadt einen guten Eindruck. Aber der Höhepunkt an diesem Abend war ein Konzert der Eisenbahner Musikanten, die in dieser Zeit auf einer Banater Tour waren. Da an diesem Abend die Stadt auch noch Ihr Sommerfest feierte, war es bei Mici und Bier, sehr schön den Klängen der Musikanten zu zuhören.


Die Eisenbahner Musikanten am Schloss Nako in Großsanktnikolaus

Nach einem 2-tägigen Aufenthalt in Großsanktnikolaus ging es über Arad zum Kirchweifest nach Sanktanna. Hier lebten auch mal7000-8000 Banater Schwaben in einer Großgemeinde von 15000 Einwohnern. Wir besichtigten ein sehr gepflegtes Altenheim im Zentrum der Gemeinde, wo bis 40 deutschstämmige Personen Ihren Lebensabend verbringen können. Am Nachmittag waren wir zu Kaffee und Kuchen in die deutsche Schule eingeladen. Hier werden 70-80 Schüler unterrichtet, die Klassen I-IV in deutscher Sprache. Hier traf man wieder die Mariamädchen, die uns bei der Wallfahrt begleitet haben. Am selben Nachmittag marschierten 30 Kirchweihpaare unter den Klängen der Rekascher Musikanten zum Kirchweihbaum, wo Hut und Tichl versteigert wurden. Den Tanz ums Fass spielten dann die Eisenbahner Musikanten. Bei Temperaturen von 42° tat dieser musikalische Wechsel auch gut, die Kirchweihpaare haben aber tapfer durchgehalten. Überall sah man auch die Handschrift der HOG Sanktanna und den Einsatz ihres Vorsitzenden Sepp Lutz und Kulturreferenten Anton Bleiziffer.

Am späten Abend ging es über die neue Autobahn Arad-Jahrmarkt, Richtung Temeswar. Und so ging ein heißer und schöner Urlaub zu Ende, der hinter uns liebe, nette gastfreundliche, Leute zurücklässt, die in einem Land leben, wo die Rente vielleicht 200-300 € beträgt, die Haushaltskosten auch 200€ sind und trotzdem mir ihren Problemen mehr oder weniger zufrieden sind. Bei der Aussiedlung hatten wir Geld in der Tasche und konnten nichts kaufen, jetzt gibt es Alles in Hülle und Fülle und es fehlt am Geld. Ich war auf den großen Märkten in Temeswar und Arad und habe überquellende Tische von prachtvollen Agrarprodukten gesehen. Ich habe einer Verkäuferin gesagt, so schöne Auberginen habe ich noch nie gesehen und sie antworte: „umsonst sind die schön und es kauft sie keiner“.

Wilhelm Kuhn

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